Was hat es mit dem Heu auf sich? Heuzugang auf Paddock oder Weide

Heu auf dem Paddock ist mehr als nur Futter.
Es verändert den Tagesrhythmus der Pferde, ihre Beziehungen in der Herde und die Menge an Heu, die im Matsch landet.
Wir erklären, wie du Heu in der Gruppe sicher und ohne Verschwendung anbietest.

Pferde grasen bei Tagesanbruch auf einer Weide hinter einem Holzzaun
Kurz gesagt
  • Heu auf dem Paddock verlängert die Fresszeit und verringert Aggression in der Gruppe.
  • Ständig verfügbares Heu im Heunetz ergab einen Tagesrhythmus, der dem natürlichen am ähnlichsten war.
  • Es sollte mehr Fressplätze als Pferde geben: Bei dreimal so vielen Plätzen wie Pferden bissen und traten sich die Pferde am wenigsten.
  • Ohne Raufe geht mehr als die Hälfte des Heus verloren. Eine gute Raufe senkt die Verluste auf wenige Prozent.
  • Auch auf der Weide muss man rechnen: Ein übergewichtiges Pferd kann in kurzer Zeit viel Gras fressen.

Viele Ställe bringen Pferde ohne Heu auf den Paddock, weil sie „sich dort ja bewegen“. Andere legen einen großen Ballen in die Mitte und sehen zu, wie das forscheste Pferd ihn gegen den Rest verteidigt.

Studien zeigen, dass die Art, wie Heu im Auslauf angeboten wird, für das Wohlbefinden der Pferde, für ihre Sicherheit und für die Kosten wichtig ist. Unten findest du die wichtigsten Erkenntnisse und wie du sie umsetzt.

Heu auf dem Paddock: Was sich ändert

In einer Studie mit 100 Stuten, die täglich 6 Stunden auf einen kahlen Paddock kamen, wurden zwei Gruppen verglichen: mit Heu und ohne Heu. Die Stuten mit Heu fraßen 65% der Zeit, die ohne Heu 30%. Die Stuten mit Heu liefen weniger umher, standen seltener in wachsamer Anspannung, hatten mehr freundliche Kontakte und zeigten seltener Aggression[1].

65%

der Zeit auf dem Paddock verbrachten Stuten mit Zugang zu Heu mit Fressen. Ohne Heu waren es nur 30%, dafür mehr Zeit mit Umherlaufen und angespanntem Stehen[1].Benhajali et al., Animal, 2009

Heu rund um die Uhr oder in Portionen?

Eine Studie aus dem Jahr 2025 verglich bei 18 Stuten in Gruppen drei Fütterungsweisen: drei zweistündige Mahlzeiten über den Tag, sechs einstündige Mahlzeiten verteilt über 24 Stunden und ständig verfügbares Heu im Heunetz. Mit Heu im Netz ähnelte der Tagesablauf der Pferde am meisten dem natürlichen. Sechs kurze Mahlzeiten verringerten die Aggression während der Fütterung nicht und schienen für die Pferde frustrierender zu sein als drei längere[2].

Das Fazit des Autorenteams: In der Herde bewährte sich Heu, das durch ein Netz verlangsamt wird, besser als Heu in kurzen Portionen[2]. Das heißt nicht, dass lange Fresspausen keine Rolle mehr spielen. Es geht darum, dass Pferde ruhig und oft fressen können, statt abwechselnd in kurzen Zeitfenstern.

Eine andere Studie ergänzt ein wichtiges Detail. Pferde mit Heu zur freien Verfügung fraßen und verschwendeten am meisten davon und nahmen am stärksten zu. Mit einem Slow Feeder fraßen sie über einen ähnlichen Teil des Tages wie beim Grasen, nahmen aber kaum zu. Eine automatische Raufe mit begrenztem Zugang ging mit der meisten Aggression einher[3].

Wie viele Fressplätze am Heu

Pferde brauchen auch beim Fressen Abstand zueinander. In einer Studie mit zeitgesteuerten Heuraufen mit Netz bissen und traten sich die Pferde am wenigsten, wenn es dreimal so viele Fressplätze wie Pferde gab. Bei 20% mehr oder doppelt so vielen Plätzen gab es mehr Aggression, und das Cortisol im Speichel sank während der Fütterung weniger stark[4].

Gut zu wissen

In derselben Studie änderte die Rangposition der Pferde in der Herde nichts am Ergebnis[4]. Anzahl und Verteilung der Fressplätze wirkten sich auf die ganze Gruppe aus.

Raufe oder Heu auf dem Boden

Ohne Raufe geht auf dem Boden viel Heu verloren. In einer Studie mit neun Rundballenraufen lagen die Verluste zwischen 5 und 33%, ohne Raufe dagegen bei ganzen 57%. Pferde ohne Raufe fraßen außerdem weniger: etwa 1,3% ihres Körpergewichts statt 2–2,4%. Die Raufe mit der schnellsten Amortisation hatte sich dank geringerer Heuverluste schon nach knapp einem Monat bezahlt gemacht[5].

Tief angebrachte Raufen und Heunetze lassen Pferde mit gesenktem Kopf in natürlicher Haltung fressen. Hoch aufgehängte Netze erhöhten die Anspannung im Hals[6].

Weide und übergewichtige Pferde

Auf der Weide übersieht man leicht, wie viel ein Pferd wirklich frisst. Das Konsenspapier des European College of Equine Internal Medicine weist darauf hin, dass eine kürzere Weidezeit allein die Futteraufnahme kaum begrenzt: Ponys konnten in 3 Stunden Gras in einer Menge von über 0,9% ihres Körpergewichts in Trockenmasse fressen[7].

  • Eine Fressbremse senkte die Grasaufnahme um 77–83% im Vergleich zum Grasen ohne Fressbremse[8] und verlängerte die Fresszeit[7].
  • Zu Beginn einer Gewichtsreduktion wird bei Pferden mit Insulindysregulation empfohlen, sie in den ersten 6–12 Wochen gar nicht auf die Weide zu lassen[7].
  • Wenn wenig Gras da ist, etwa im Winter oder bei Trockenheit, zählt die gesamte Raufutterration, und Heu ergänzt, was auf der Weide fehlt[9].

So setzt du es in der Praxis um

  1. Mehr Fressplätze als PferdeMehrere Heuplätze mit Abstand zueinander. Bei Raufen mit Netz waren drei Plätze pro Pferd am besten[4].
  2. Raufe oder Heunetz statt Heu auf dem BodenWeniger Verluste, mehr Heu, das die Pferde tatsächlich fressen[5].
  3. Netz tief und nicht zu engmaschigNatürliche Fresshaltung und weniger Frust[6].
  4. Jederzeit Wasser auf dem PaddockFehlendes Wasser im Auslauf war in einer Studie einer der Faktoren, die das Risiko für Magengeschwüre erhöhten[10].
  5. Die ersten Tage beobachtenPrüfe, ob jedes Pferd ans Heu kommt. Ein Pferd, das abseits steht, braucht einen zusätzlichen Platz oder eine andere Gruppe.
  6. Übergewichtiges Pferd: Ration, Netz, FressbremseAbgewogenes Heu, ein Heunetz, das das Fressen verlangsamt, und auf der Weide eine Fressbremse, nach Absprache mit der Tierarztpraxis[7].

Wann tierärztliche Hilfe nötig ist

  • das Pferd hört auf dem Paddock auf zu fressen oder steht abseits von Heu und anderen Pferden,
  • am Heu kommt es zu Tritten, und danach siehst du eine Wunde, eine Schwellung oder eine Lahmheit,
  • ein übergewichtiges Pferd läuft nach dem Weideaustrieb ungern, tritt von einem Bein aufs andere oder hat warme Hufe,
  • nach einem Heuwechsel oder dem Weideaustrieb treten Kolik oder Durchfall auf.

Häufige Fragen

Braucht ein Pferd auf der Weide Heu?

Das hängt von der Grasmenge und vom Pferd ab. Entscheidend ist die gesamte Raufutterration[9]. Wenn wenig Gras da ist, gleicht Heu den Mangel aus. Bei übergewichtigen Pferden ist es oft umgekehrt: Das Gras muss begrenzt werden[7].

Wie viele Heuplätze auf dem Paddock?

Mehr als Pferde. Bei zeitgesteuerten Raufen mit Netz gab es bei drei Plätzen pro Pferd die wenigste Aggression[4].

Ist Heu auf dem Boden eine schlechte Idee?

Auf dem Boden geht Heu schnell verloren: Ohne Raufe erreichten die Verluste 57%[5]. Eine Raufe oder ein Netz in Bodennähe erhält die natürliche Fresshaltung und verringert Verluste[6].

Macht Heu zur freien Verfügung dick?

Das kann passieren. In einer Studie nahmen Pferde mit Heu zur freien Verfügung in 15 Tagen im Mittel über 23 kg zu, mit Slow Feeder dagegen fast nichts, bei ähnlicher Fresszeit[3].

Wissenschaftliche Quellen

Jede Publikation haben wir in den Datenbanken Crossref und PubMed überprüft. Die Nummern im Text führen zur Liste, die DOI-Links zu den Originalartikeln.

  1. Benhajali H, Richard-Yris MA, Ezzaouia M, Charfi F, Hausberger M. Foraging opportunity: a crucial criterion for horse welfare? Animal. 2009;3(9):1308-1312. doi.org/10.1017/s1751731109004820
  2. Roig-Pons M, Bachmann I, Freymond SB. Impact of feeding strategies on the welfare and behaviour of horses in groups: An experimental study. PLOS One. 2025;20(6):e0325928. doi.org/10.1371/journal.pone.0325928
  3. Carvalho Seabra J, Hess T, Martinez do Vale M, Spercoski KM, Brooks R, Dittrich JR. Effects of Different Hay Feeders, Availability of Roughage on Abnormal Behaviors and Cortisol Circadian Rhythm in Horses Kept in Dry Lots. Journal of Equine Veterinary Science. 2023;130:104911. doi.org/10.1016/j.jevs.2023.104911
  4. Baumgartner M, Erhard MH, Zeitler-Feicht MH. Which animal-to-feeding-place ratio at time-controlled hay racks is animal appropriate? Preliminary analysis of stress responses of horses. Frontiers in Veterinary Science. 2023;9:1005102. doi.org/10.3389/fvets.2022.1005102
  5. Martinson K, Wilson J, Cleary K, Lazarus W, Thomas W, Hathaway M. Round-bale feeder design affects hay waste and economics during horse feeding. Journal of Animal Science. 2012;90(3):1047-1055. doi.org/10.2527/jas.2011-4087
  6. Amaje J, Upton S, Garba UM, Jolayemi KO. The use of hay nets and slow feeders as feeding methods in horse management: A semi-systematic review. Journal of Equine Veterinary Science. 2026;157:105762. doi.org/10.1016/j.jevs.2025.105762
  7. Durham AE, Frank N, McGowan CM, Menzies-Gow NJ, Roelfsema E, Vervuert I et al. ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2019;33(2):335-349. doi.org/10.1111/jvim.15423
  8. Longland AC, Barfoot C, Harris PA. Effects of grazing muzzles on intakes of dry matter and water-soluble carbohydrates by ponies grazing spring, summer, and autumn swards, as well as autumn swards of different heights. Journal of Equine Veterinary Science. 2016;40:26-33. doi.org/10.1016/j.jevs.2015.09.009
  9. Harris PA, Ellis AD, Fradinho MJ, Jansson A, Julliand V, Luthersson N et al. Review: Feeding conserved forage to horses: recent advances and recommendations. Animal. 2017;11(6):958-967. doi.org/10.1017/s1751731116002469
  10. Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH. Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal. 2009;41(7):625-630. doi.org/10.2746/042516409x441929
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Veröffentlicht am . Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.