Wie viel Heu sollte ein Pferd am Tag bekommen?

Die niedrigste empfohlene Ration liegt bei 1,5 kg Heu-Trockenmasse pro 100 kg Körpergewicht.
Genauso wichtig ist, wie lange das Pferd frisst und wie lang seine Pausen sind.
Wir zeigen, wie du die Ration für dein Pferd berechnest und über 24 Stunden verteilst.

Isabellfarbenes Pferd mit heller Mähne trabt im Licht der untergehenden Sonne über eine Wiese
Kurz gesagt
  • Die niedrigste empfohlene Ration liegt bei 15 g Heu-Trockenmasse pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, also 7,5 kg Trockenmasse für ein Pferd mit 500 kg. Das absolute Minimum sind 12,5 g.
  • Die Ration wird in Trockenmasse berechnet und nicht in Kilogramm Futter, weil Heu und Heulage einen sehr unterschiedlichen Feuchtigkeitsgehalt haben.
  • Ein Pferd sollte mindestens 8 Stunden am Tag fressen können, besser 10, und nicht länger als 4–5 Stunden am Stück ohne Raufutter bleiben.
  • Auch ein übergewichtiges Pferd braucht Heu: Empfohlen wird dann eine abgewogene Ration statt Hungern.

„Wie viel Heu?“ ist eine der häufigsten Fragen im Stall. Die Antwort hat zwei Teile: wie viele Kilogramm pro Tag und wie man diese Kilogramm über die Zeit verteilt. Beide sind gleich wichtig.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 wertete das Fressen von Raufutter als eines der Anzeichen für das Wohlbefinden eines Pferdes und den Zugang dazu, neben Platz und Gesellschaft, als Bedürfnis, das sein ganzes Leben lang erfüllt werden muss[1].

Wie viel Heu pro Tag

Eine Übersichtsarbeit zur Fütterung von Pferden mit Heu und Heulage aus dem Jahr 2017 nennt die niedrigste empfohlene Ration: 15 g Trockenmasse pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Das absolute Minimum sind 12,5 g[2].

Das Merck Veterinary Manual sagt Ähnliches: mindestens 1,5–2% des Körpergewichts als Raufutter-Trockenmasse. Maximal frisst ein Pferd in der Regel 2–2,5% seines Körpergewichts in Trockenmasse[3].

7,5 kg

Heu-Trockenmasse pro Tag sind die niedrigste empfohlene Ration für ein Pferd mit 500 kg, also 15 g pro Kilogramm Körpergewicht[2].Harris et al., Animal, 2017

Gewicht des PferdesMinimum pro Tag (Trockenmasse)Empfohlener Bereich (Trockenmasse)
300 kg4,5 kg4,5–6 kg
400 kg6 kg6–8 kg
500 kg7,5 kg7,5–10 kg
600 kg9 kg9–12 kg

Das Minimum sind 15 g pro Kilogramm Körpergewicht[2], der Bereich liegt bei 1,5–2% des Körpergewichts[3]. Alle Zahlen beziehen sich auf Trockenmasse, mehr dazu unten.

Warum wir in Trockenmasse rechnen

Heu, Heulage und frisches Gras enthalten sehr unterschiedliche Mengen Wasser. Deshalb empfiehlt die Übersichtsarbeit von 2017, die Ration in Gramm Trockenmasse pro Kilogramm Körpergewicht zu berechnen und nicht in Kilogramm Futter in der Form, in der es verfüttert wird[2].

Heu enthält wenig Wasser, daher ist ein Kilogramm Heu fast ein Kilogramm Trockenmasse. In den Empfehlungen für Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom zum Beispiel entspricht eine Ration von 1,25–1,5% des Körpergewichts in Trockenmasse 1,4–1,7% des Körpergewichts an Heu in der Form, in der du es fütterst[4]. Daraus folgt, dass ein Kilogramm solchen Heus etwa 0,9 kg Trockenmasse enthält. Heulage enthält viel mehr Wasser, daher liefert dasselbe Kilogramm deutlich weniger Trockenmasse.

Wie lange das Pferd frisst

Dieselbe Übersichtsarbeit empfiehlt, dass ein Pferd mindestens 8 Stunden am Tag, besser 10, Raufutter fressen kann und nicht länger als 4–5 Stunden am Stück ohne Raufutter bleibt[2].

In einer dänischen Studie mit 201 Pferden erhöhte eine Pause von mehr als 6 Stunden zwischen den Raufuttergaben das Risiko für Geschwüre im oberen, drüsenlosen Teil des Magens. Das Risiko stieg auch, wenn Stroh das einzige Raufutter war[5].

Gut zu wissen

Die längste Pause liegt meist in der Nacht, zwischen der Heugabe am Abend und am Morgen. Hier lohnt es sich zuerst anzusetzen, zum Beispiel mit Heu im Netz für die Nacht.

Wie du die Fresszeit verlängerst, ohne die Ration zu erhöhen

  • Heunetze und Slow Feeder. Eine Übersicht über 26 Studien aus den Jahren 2009–2025 zeigte, dass sie die Fresszeit um etwa 40% verlängern, abhängig von Maschenweite, Anzahl der Netzlagen und Heuart[6].
  • Nicht zu engmaschig. Zu enge Netze konnten Pferde frustrieren: Sie scharrten, zerrten und warfen das Netz herum[6].
  • Tief, nicht hoch. Slow Feeder in Bodennähe ermöglichen das Fressen mit gesenktem Kopf, hoch aufgehängte Netze dagegen erhöhten die Anspannung im Hals[6].
  • Heu einweichen. Einweichen für 7–16 Stunden senkt den Zuckergehalt um 24–43%, was übergewichtigen Pferden hilft[4]. Eingeweichtes Heu wird nicht gelagert: In einer Studie vermehrten sich darin schnell Bakterien, Schimmelpilze und Hefen, und die Pferde nahmen es schlechter an[7].

Übergewichtiges Pferd: weniger Heu, aber nicht ohne Heu

Das Konsenspapier des European College of Equine Internal Medicine zum Equinen Metabolischen Syndrom empfiehlt für übergewichtige Pferde eine Ration von 1,25–1,5% des Körpergewichts in Trockenmasse, also 1,4–1,7% des Körpergewichts an Heu in der verfütterten Form[4]. Änderungen der Ration werden schrittweise eingeführt, meist über ein bis zwei Wochen[4].

Ein Anteil Stroh in der Ration kann die Fresszeit verlängern, weil Stroh weniger Energie liefert als Heu[4]. Stroh sollte jedoch nicht das einzige Raufutter sein[5].

So berechnest du die Ration für dein Pferd

  1. Gewicht des Pferdes ermittelnAm besten auf einer Waage. Ein Maßband zur Gewichtsschätzung liefert einen Näherungswert, für Vergleiche von Woche zu Woche reicht das aber.
  2. Minimum in Trockenmasse berechnenKörpergewicht mal 15 g. Für ein Pferd mit 500 kg sind das 7,5 kg Trockenmasse[2].
  3. In Heu umrechnenTeile das Ergebnis durch etwa 0,9. Für ein Pferd mit 500 kg sind das etwa 8,3 kg Heu pro Tag.
  4. Ration über den Tag verteilenSo, dass das Pferd mindestens 8–10 Stunden frisst und die Pausen nicht länger als 4–5 Stunden sind[2].
  5. Heu ein paar Tage lang wiegenBallen sind unterschiedlich schwer, und „nach Augenmaß“ verschätzt man sich leicht um einige Kilogramm.
  6. Körperzustand beobachten und anpassenWenn das Pferd ab- oder zunimmt, passe die Ration gemeinsam mit der Tierarztpraxis an, und zwar schrittweise[4].

Wann tierärztliche Hilfe nötig ist

  • das Pferd lässt Heu liegen, das es sonst frisst, oder frisst deutlich langsamer,
  • es lässt halb gekaute Heuwickel aus dem Maul fallen,
  • es nimmt trotz voller Ration ab,
  • nach einem Wechsel des Heus oder der Ration treten Kolik, Durchfall oder sehr trockener Kot auf.

Häufige Fragen

Wie viele Heuballen braucht ein Pferd pro Tag?

Ballen sind unterschiedlich schwer, rechne deshalb in Kilogramm. Wiege einige Ballen aus einer Lieferung und berechne, wie viele du für die Tagesration brauchst. Für ein Pferd mit 500 kg liegt das Minimum bei etwa 8,3 kg Heu pro Tag[2].

Darf ein Pferd unbegrenzt Heu fressen?

Vielen Pferden bekommt das gut, aber ein übergewichtiges Pferd oder eines mit Equinem Metabolischem Syndrom nimmt dann meist zu. Für solche Pferde werden eine abgewogene Ration[4] und ein Heunetz zum Verlangsamen des Fressens empfohlen[6].

Kann Stroh Heu ersetzen?

Nicht als einziges Raufutter: In einer dänischen Studie erhöhte Stroh als einziges Raufutter das Risiko für Magengeschwüre[5]. Bei übergewichtigen Pferden kann ein Anteil Stroh in der Ration dagegen die Fresszeit verlängern[4].

Muss man Heu einweichen?

Nicht bei jedem Pferd. Einweichen senkt den Zuckergehalt und hilft übergewichtigen Pferden oder Pferden mit Equinem Metabolischem Syndrom[4]. Pferde mit Asthma bekommen eingeweichtes oder bedampftes Heu, weil es weniger staubt. Eingeweichtes Heu muss sofort verfüttert werden, weil es schnell verdirbt[7].

Wissenschaftliche Quellen

Jede Publikation haben wir in den Datenbanken Crossref und PubMed überprüft. Die Nummern im Text führen zur Liste, die DOI-Links zu den Originalartikeln.

  1. Hall C, Kay R. Living the good life? A systematic review of behavioural signs of affective state in the domestic horse (Equus caballus) and factors relating to quality of life. Part I: Fulfilment of species-specific needs. Animal Welfare. 2024;33:e40. doi.org/10.1017/awf.2024.38
  2. Harris PA, Ellis AD, Fradinho MJ, Jansson A, Julliand V, Luthersson N et al. Review: Feeding conserved forage to horses: recent advances and recommendations. Animal. 2017;11(6):958-967. doi.org/10.1017/s1751731116002469
  3. Liburt NR. Nutritional Requirements of Horses and Other Equids. Merck Veterinary Manual. 2026. www.merckvetmanual.com/management-and-nutrition/nutrition-horses/nutritional-requirements-of-horses-and-other-equids
  4. Durham AE, Frank N, McGowan CM, Menzies-Gow NJ, Roelfsema E, Vervuert I et al. ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2019;33(2):335-349. doi.org/10.1111/jvim.15423
  5. Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH. Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal. 2009;41(7):625-630. doi.org/10.2746/042516409x441929
  6. Amaje J, Upton S, Garba UM, Jolayemi KO. The use of hay nets and slow feeders as feeding methods in horse management: A semi-systematic review. Journal of Equine Veterinary Science. 2026;157:105762. doi.org/10.1016/j.jevs.2025.105762
  7. Glatter M, Bochnia M, Wensch-Dorendorf M, Greef JM, Zeyner A. Feed Intake Parameters of Horses Fed Soaked or Steamed Hay and Hygienic Quality of Hay Stored following Treatment. Animals. 2021;11(9):2729. doi.org/10.3390/ani11092729
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Veröffentlicht am . Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.