Wie viel Wasser sollte ein Pferd am Tag trinken?

Ein erwachsenes Pferd mit 500 kg braucht in Ruhe mindestens etwa 25 Liter Wasser pro Tag.
Wie viel genau, hängt von Futter, Wetter, Arbeit und Tränke ab.
Wir erklären, wie du das berechnest und woran du erkennst, dass dein Pferd zu wenig trinkt.

Fuchs mit schmaler Blesse streckt den Kopf über einen Holzzaun
Kurz gesagt
  • Das Minimum liegt bei etwa 5 Litern pro 100 kg Körpergewicht und Tag, also etwa 25 Litern für ein Pferd mit 500 kg.
  • Bei ausschließlich trockenem Heu, bei Hitze, bei Arbeit und bei säugenden Stuten braucht ein Pferd viel mehr, sogar zwei- bis dreimal so viel.
  • Auch die Tränke zählt: Aus einer langsam nachlaufenden Selbsttränke tranken Pferde weniger als aus dem Eimer.
  • Der Hautfaltentest ist nicht zuverlässig. Besser ist es, mehrere Dinge gleichzeitig zu beobachten: Trinken, Harn, Kot und Appetit.

Wasser ist der günstigste Bestandteil der Pferdefütterung und gleichzeitig der, an den wir am seltensten denken. Meist wissen wir, wie viel Heu und Futter unser Pferd bekommt, aber selten, wie viel es trinkt.

Unten findest du die Zahlen, die Faktoren, die sie verändern, und einfache Wege, das bei deinem eigenen Pferd zu prüfen.

Wie viel Wasser ein Pferd braucht

Das Merck Veterinary Manual nennt als Minimum für ein erwachsenes Pferd in Ruhe bei gemäßigter Temperatur etwa 5 Liter pro 100 kg Körpergewicht und Tag[1]. Für ein Pferd mit 500 kg sind das etwa 25 Liter. Ein Pferd, das eine gemischte Ration aus Heu und Kraftfutter bekommt, trinkt meist 21 bis 29 Liter[1].

Das ist allerdings die Untergrenze. In vielen Alltagssituationen braucht ein Pferd deutlich mehr.

SituationWasser pro TagWorauf achten
Ruhe, gemäßigte TemperaturEtwa 5 l pro 100 kg Körpergewicht, also etwa 25 l bei 500 kg[1]Jederzeit sauberes Wasser
Gemischte Ration aus Heu und KraftfutterMeist 21–29 l bei 500 kg[1]Tränke täglich prüfen
Nur trockenes HeuSogar fast doppelt so viel[1]Wasser immer in der Nähe des Heus
Eine Stunde Arbeit bei HitzeÜber 72 l, um die Verluste auszugleichen[1]Wasser und Leckstein nach der Arbeit
Säugende Stute12–14 l pro 100 kg Körpergewicht[1]Oft nachfüllen, mehrere Wasserstellen
5 Liter

Wasser pro 100 kg Körpergewicht sind das tägliche Minimum für ein erwachsenes Pferd in Ruhe. Schweiß und Laktation erhöhen den Bedarf um 50 bis 200%[1].Merck Veterinary Manual, 2026

Was die Trinkmenge verändert

Futter

Bei ausschließlich trockenem Heu trinkt ein Pferd fast doppelt so viel wie bei einer gemischten Ration[1]. Und ein Pferd, das aufhört zu fressen, trinkt weniger, weil der Wasserbedarf von der aufgenommenen Futtermenge abhängt[2].

Weide und Box

Als Pferde von der Weide in die Box wechselten, tranken sie mehr als doppelt so viel Wasser (von 2,4 auf 6,4 Liter pro 100 kg Körpergewicht), und ihr Kot war trockener. In den ersten Tagen nach der Umstellung verlangsamte sich auch die Darmtätigkeit[3].

Hitze, Arbeit, Laktation

Schweiß und Laktation erhöhen den Wasserbedarf um 50 bis 200%. Nach einer Stunde Arbeit bei Hitze kann ein Pferd über 72 Liter brauchen, um die Verluste auszugleichen[1].

Tränke

Aus einer Selbsttränke mit einem Durchfluss von 3 Litern pro Minute tranken Pferde weniger als aus einer schnelleren Tränke (8 l/min) oder aus dem Eimer. Aus dem Eimer tranken sie am liebsten[4].

Wassertemperatur

Im Winter tranken Ponys mehr, wenn sie warmes statt fast gefrorenes Wasser bekamen[5]. Im Sommer änderte gekühltes Wasser die Trinkmenge nicht[6].

Salz

Die Salzmenge, die ein Pferd selbst vom Leckstein aufnahm, beeinflusste in einer Studie, wie viel es trank[7]. Deshalb sollte der Leckstein jederzeit verfügbar sein.

Gut zu wissen

In einer dänischen Studie mit 201 Pferden war fehlendes Wasser auf dem Paddock einer der Faktoren, die das Risiko für Magengeschwüre erhöhten[8]. Wasser sollte überall dort sein, wo das Pferd Zeit verbringt, auch im Auslauf.

So prüfst du, ob dein Pferd ausreichend trinkt

  1. Trinkmenge ein paar Tage lang erfassenWenn dein Pferd aus Eimern trinkt, notiere, wie viele Eimer es pro Tag leert. Bei einer Selbsttränke kannst du eine Wasseruhr einbauen oder für ein paar Tage Wasser in Eimern anbieten.
  2. Tränke kontrollierenTäglich die Sauberkeit, einmal pro Woche die Leistung: wie lange das Becken zum Füllen braucht. Eine langsame Tränke bedeutet weniger getrunkenes Wasser[4].
  3. Verlass dich nicht allein auf den HautfaltentestIn einer Studie mit Arbeitspferden hing die Zeit, bis die Hautfalte verstrich, weder mit einem Blutwert für Dehydrierung noch mit der getrunkenen Wassermenge zusammen[9].
  4. Auf mehrere Dinge gleichzeitig achtenTrinkmenge, Harnfarbe, Kotfeuchtigkeit und Appetit. Ein Pferd, das weniger frisst, trinkt meist auch weniger[2].
  5. Bei Umstellungen aufpassenFutterwechsel und Änderungen der Haltung sind die in Studien am besten beschriebenen Veränderungen, nach denen das Kolikrisiko steigt[10]. Beobachte in den ersten Tagen nach einer solchen Umstellung Trinken und Kot genauer.

Wann tierärztliche Hilfe nötig ist

  • das Pferd trinkt den ganzen Tag über deutlich weniger, ohne dass sich Wetter oder Arbeit geändert haben,
  • der Kot ist auffallend trocken und klein, oder das Pferd setzt keinen Kot mehr ab,
  • das Pferd ist unruhig, schaut sich zum Bauch um, scharrt oder wälzt sich,
  • das Pferd trinkt mehrere Tage lang deutlich mehr als sonst, ohne erkennbaren Grund.

Häufige Fragen

Wie viel Wasser trinkt ein Pferd mit 500 kg?

Das Minimum in Ruhe liegt bei etwa 25 Litern pro Tag. Bei einer gemischten Ration aus Heu und Kraftfutter trinkt ein Pferd meist 21–29 Liter, bei ausschließlich trockenem Heu sogar fast doppelt so viel[1].

Muss man das Wasser im Winter anwärmen?

Gut ist, wenn es nicht eiskalt ist. Im Winter tranken Ponys mehr, wenn das Wasser warm war, als wenn es fast gefroren war[5]. Am wichtigsten ist, dass das Wasser nicht gefriert und jederzeit verfügbar ist.

Reicht eine Selbsttränke aus?

Ja, wenn sie sauber ist und schnell genug nachläuft. In einer Studie tranken Pferde aus einer langsam nachlaufenden Tränke weniger als aus einer schnelleren Tränke oder aus dem Eimer[4].

Woran erkennt man, dass ein Pferd dehydriert ist?

Ein einzelnes Anzeichen reicht nicht aus, und der Hautfaltentest erwies sich als unzuverlässig[9]. Achte auf mehrere Dinge gleichzeitig: wie viel das Pferd trinkt, wie Harn und Kot aussehen und ob es frisst. Im Zweifel beurteilt die Tierarztpraxis den Flüssigkeitshaushalt anhand einer Blutuntersuchung.

Wissenschaftliche Quellen

Jede Publikation haben wir in den Datenbanken Crossref und PubMed überprüft. Die Nummern im Text führen zur Liste, die DOI-Links zu den Originalartikeln.

  1. Liburt NR. Nutritional Requirements of Horses and Other Equids. Merck Veterinary Manual. 2026. www.merckvetmanual.com/management-and-nutrition/nutrition-horses/nutritional-requirements-of-horses-and-other-equids
  2. Freeman DE. Effect of Feed Intake on Water Consumption in Horses: Relevance to Maintenance Fluid Therapy. Frontiers in Veterinary Science. 2021;8:626081. doi.org/10.3389/fvets.2021.626081
  3. Williams S, Horner J, Orton E, Green M, McMullen S, Mobasheri A et al. Water intake, faecal output and intestinal motility in horses moved from pasture to a stabled management regime with controlled exercise. Equine Veterinary Journal. 2014;47(1):96-100. doi.org/10.1111/evj.12238
  4. Nyman S, Dahlborn K. Effect of water supply method and flow rate on drinking behavior and fluid balance in horses. Physiology & Behavior. 2001;73(1-2):1-8. doi.org/10.1016/s0031-9384(00)00432-7
  5. Kristula MA, McDonnell SM. Drinking water temperature affects consumption of water during cold weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science. 1994;41(3-4):155-160. doi.org/10.1016/0168-1591(94)90020-5
  6. McDonnell SM, Kristula MA. No effect of drinking water temperature (ambient vs. chilled) on consumption of water during hot summer weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science. 1996;49(2):159-163. doi.org/10.1016/0168-1591(96)01041-6
  7. Jansson A, Dahlborn K. Effects of feeding frequency and voluntary salt intake on fluid and electrolyte regulation in athletic horses. Journal of Applied Physiology. 1999;86(5):1610-1616. doi.org/10.1152/jappl.1999.86.5.1610
  8. Luthersson N, Nielsen KH, Harris P, Parkin TDH. Risk factors associated with equine gastric ulceration syndrome (EGUS) in 201 horses in Denmark. Equine Veterinary Journal. 2009;41(7):625-630. doi.org/10.2746/042516409x441929
  9. Pritchard JC, Burn CC, Barr ARS, Whay HR. Validity of indicators of dehydration in working horses: A longitudinal study of changes in skin tent duration, mucous membrane dryness and drinking behaviour. Equine Veterinary Journal. 2008;40(6):558-564. doi.org/10.2746/042516408x297462
  10. Curtis L, Burford JH, England GCW, Freeman SL. Risk factors for acute abdominal pain (colic) in the adult horse: A scoping review of risk factors, and a systematic review of the effect of management-related changes. PLOS ONE. 2019;14(7):e0219307. doi.org/10.1371/journal.pone.0219307
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