Schmutziges Pferd, glückliches Pferd.
Geschichte einer Putzstunde
Putzen schützt die Haut, lässt dich dein Pferd jeden Tag genau ansehen und stärkt eure Beziehung.
Wir zeigen die Reihenfolge Schritt für Schritt und was die Forschung dazu sagt.

- Bürste dein Pferd täglich und vor dem Reiten immer gründlich dort, wo Sattel, Gurt und Trense liegen. Für Haut und Fell ist regelmäßiges Bürsten wichtiger als ein Bad mit Shampoo[1].
- Der meiste Staub im Stall wird beim Misten und beim Putzen der Pferde aufgewirbelt, deshalb putzt du dein Pferd am besten draußen[2].
- Pferde, die sanft und an ihren Lieblingsstellen geputzt wurden, suchten nach 11 Einheiten häufiger von sich aus den Kontakt zum Menschen[3].
- Beim Putzen siehst du dir Augen, Nüstern, Zähne, Haut, Schweif und Hufe an. Probleme mit einem Auge, dicker Nasenausfluss und ein schmerzhafter, übel riechender Strahl gehören in fachkundige Hände.
Das tägliche Putzen dauert zehn bis zwanzig Minuten und bringt dir drei Dinge auf einmal: saubere Haut dort, wo die Ausrüstung liegt, einen gründlichen Check deines Pferdes von den Ohren bis zu den Hufen und ruhige Zeit nur mit deinem Pferd. Das Merck Veterinary Manual empfiehlt, täglich zu bürsten und das Pferd nur gelegentlich, wenn nötig, mit Shampoo zu waschen[1].
Warum Putzen wichtig ist
Um die Haut zu schützen. Unter Sattel, Gurt und Trense drückt und reibt die Ausrüstung auf der Haut. Verklebtes Fell, getrockneter Schweiß oder ein Klümpchen Schlamm an solchen Stellen können sie aufscheuern. Deshalb werden diese Stellen vor jedem Reiten am gründlichsten geputzt.
Um das Pferd jeden Tag anzusehen. Deine Hand fährt über den ganzen Körper, so spürst du leicht eine neue Wunde, eine Scheuerstelle, eine Schwellung, eine Kruste oder eine Stelle, an der sich das Pferd anspannt. Veränderungen erkennst du am besten, wenn du weißt, wie dein Pferd im Alltag aussieht und reagiert.
Um die Beziehung zu stärken. In einer Studie mit 27 Pferden wurde ein Teil sanft und an den Lieblingsstellen geputzt, die übrigen nach einem festen Ablauf, bei dem manche Pferde auswichen. Nach 11 Einheiten suchten die Pferde der ersten Gruppe häufiger von sich aus Kontakt, die der zweiten wichen häufiger aus. Puls und Cortisolspiegel vor und nach dem Putzen unterschieden sich nicht, der Unterschied zeigte sich also vor allem im Verhalten und im Gesichtsausdruck[3].
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 stellt fest, dass Menschen bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem Putzen oft nicht auf die Signale von Wohlbefinden und Unbehagen des Pferdes achten. Wenn beim Putzen die Lieblingsstellen und die Reaktionen des Pferdes berücksichtigt werden, sucht das Pferd häufiger Kontakt und meidet ihn seltener[4].
Pferde betreiben gegenseitige Fellpflege mit den Zähnen, am liebsten im Bereich des Widerrists und am Halsansatz. Kraulen an einer Lieblingsstelle senkt den Puls des Pferdes[5]. Bei 18 Reitpferden führte eine Minute Kraulen am Widerrist zu länger anhaltendem Entspannungsverhalten als Klopfen am Hals[6].
Sprich mit deinem Pferd. In einer Studie aus dem Jahr 2021 erwiderten mit der Hand gekraulte Pferde die Fellpflege häufiger, schauten den Menschen öfter an und zappelten weniger, wenn man mit warmer, höherer Stimme mit ihnen sprach, so wie mit einem Kind oder einem Hund[7].
Wo du dein Pferd putzt
Am besten draußen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zum Asthma bei Pferden berichtet, dass der meiste lungengängige Staub im Stall beim Misten, beim Putzen der Pferde und zu den Zeiten mit dem meisten Betrieb aufgewirbelt wird. Die Autoren halten es für sinnvoll, die Pferde in dieser Zeit aus demselben Luftraum zu holen[2]. Draußen fallen Staub und Haare außerdem nicht in die Einstreu oder in die Krippe.
In der Stallgasse versperr nicht den Durchgang und stell dein Pferd so hin, dass es keine anderen Pferde erreicht und andere Pferde weder es noch dich erreichen.
Der Waschplatz ist kein Putzplatz. Fell, Haare und Sand verstopfen den Abfluss, und der Waschplatz ist dann für alle belegt, die ein Pferd waschen oder ihm die Beine kühlen möchten.
Bürsten und Pflegemittel
- Gummistriegel mit Noppen oder Zacken: für verklebtes Fell, Schlamm und lose Haare.
- Kardätsche, am besten mit Naturhaar, und eine zweite, weiche Bürste für den Kopf.
- Plastik- oder Metallstriegel nur zum Reinigen der Kardätsche. Den Metallstriegel benutzt man nicht am Pferd, weil er zu scharf ist und die Haut verletzen kann.
- Mähnen- und Schweifbürste. Kämme reißen häufiger Haare aus.
- Hufkratzer für die Hufe, am besten mit Bürste.
- Saubere Tücher und Kochsalzlösung: ein eigenes Tuch für die Augenpartie, eines für die Nüstern und eines für den After- und Genitalbereich.
Jedes Pferd sollte eigene Bürsten haben. Hautpilz wird nicht nur durch direkten Kontakt übertragen, sondern auch über Bürsten und Ausrüstung, und die Veränderungen treten meist dort auf, wo Sattel und Gurt liegen[8]. Druse, eine ansteckende Erkrankung der oberen Atemwege, wird auch über gemeinsam genutzte Eimer, Ausrüstung und sogar über Kleidung und Ausrüstung der Menschen übertragen, die die Pferde versorgen[9].
Teste ein neues Pflegemittel zuerst an einer kleinen Hautstelle. Das Merck Veterinary Manual empfiehlt, die Haut nach jedem äußerlich angewendeten Mittel zu beobachten, weil es sie reizen oder eine Allergie auslösen kann[10].
Wenn du auf Turnieren startest, prüfe die Zusammensetzung. Die FEI-Liste verbotener Substanzen für 2026 führt zum Beispiel Capsaicin, einen Stoff aus scharfen Chilischoten, als verbotene Substanz und Cannabidiol (CBD) als kontrollierte Substanz. Verboten sind auch Substanzen mit ähnlicher Struktur oder ähnlicher Wirkung wie die auf der Liste[11]. Prüfe also die Wirkstoffe und nicht den Produktnamen, und zwar nach jeder Änderung der Liste.
Die Reihenfolge beim Putzen
Eine feste Reihenfolge hilft, keine Stelle auszulassen, und das Pferd lernt schnell, was als Nächstes kommt. Die Tradition sagt: Was man am Pferd nur von einer Seite macht, macht man von links, und was man von beiden Seiten macht, beginnt man links.
Die Forschung legt nahe, nicht auf der linken Seite aufzuhören. Pferde betrachten Menschen häufiger mit dem linken Auge[12] und reagieren heftiger auf etwas Neues, das von links auftaucht[13]. Einjährige, noch unerfahrene Pferde reagierten schlechter, wenn sich der Mensch von links näherte, während Zweijährige, mit denen schon von beiden Seiten gearbeitet worden war, auf beiden Seiten gleich gut reagierten[14]. Das Putzen von beiden Seiten ist also auch ein tägliches Gelassenheitstraining auf beiden Seiten.
- GummistriegelZuerst eine Seite des Pferdes in drei Abschnitten: Hals, Schulter und Vorderbein, dann der Rumpf, also Rücken, Flanken und Bauch, und zuletzt Hinterhand und Hinterbein. Danach dasselbe auf der anderen Seite.
- KardätscheIn derselben Reihenfolge, vom Hals bis zur Hinterhand.
- KopfMit weicher Bürste und Tüchern.
- Mähne und SchweifVon unten, Strähne für Strähne.
- HufeLinks vorne, links hinten, rechts hinten, rechts vorne.
Gummistriegel und Hand
Mit dem Gummistriegel löst du Verklebungen, also zusammengeklebtes Fell, und entfernst Schlamm, Staub und lose Haare. Halte ihn in deiner geschickteren Hand und wechsle in die andere, wo du schwerer hinkommst. Arbeite in kreisenden Bewegungen und passe den Druck an die Empfindlichkeit des Pferdes an und daran, wie viel Muskulatur es an der jeweiligen Stelle hat. Klopfe den Striegel alle paar Striche am Boden aus, damit er keine Spuren an den Wänden hinterlässt und deinem Pferd keinen Staub unter die Nase wirbelt.
Streiche danach mit der bloßen Hand über das Fell. So spürst du sofort, ob noch Verklebungen übrig sind, vor allem dort, wo Sattel, Gurt und Trense liegen werden.
Ist Putzen eine Massage? Kreisende Bewegungen mit dem Gummistriegel ähneln einer sanften Massage, und viele Pferde genießen sie. Studien zum Putzen selbst gibt es dazu nicht, wohl aber Studien zur Massage. Bei 8 Pferden vergrößerten 30 Minuten Massage der Muskeln an der Rückseite des Hinterbeins den Vorgriff des Hinterbeins[15]. In einer polnischen Studie mit 5 Freizeitpferden senkte eine Massage vor dem Reiten den Cortisolspiegel im Speichel und verringerte die Zahl der Konfliktverhaltensweisen unter dem Reiter[16]. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 kam jedoch zu dem Schluss, dass es nur wenige solche Studien gibt und sie viele Schwächen haben, sodass die therapeutische Wirkung von Massage noch nicht belegt ist[17]. Putzen kann für das Pferd also eine angenehme, entspannende Berührung sein, ersetzt aber keine physiotherapeutische Massage.
Achte darauf, wie dein Pferd reagiert. Jedes Pferd hat Stellen, die es mag, und solche, die es nicht mag. In einer polnischen Studie wurden 15 Warmblutpferde und 15 Ponys 5 Minuten lang an fünf verschiedenen Körperstellen gestreichelt. Beim Streicheln waren die Pferde erregter als in Ruhe, und die Reaktion hing von der Stelle, vom Pferdetyp und vom Geschlecht ab. Die Autoren folgerten, dass Streicheln am Kopf den Pferden guttun kann, während man am Rumpf vorsichtiger sein sollte[18].
Ein Pferd, das näherkommt, die Lippen bewegt oder versucht, die Fellpflege zu erwidern, fühlt sich wohl. Ausweichen, Ohrenanlegen, Drohen und Beißversuche sagen „nicht hier“[3, 4].
Wenn dein Pferd immer an derselben Stelle verärgert reagiert, zum Beispiel am Rücken, denk an Schmerzen. In einer Studie mit Reitpferden reagierte die Mehrheit der Pferde mit ernsthaften Veränderungen an der Wirbelsäule aggressiv auf Menschen: 33 von 43[19].
Kardätsche
Mit der Kardätsche entfernst du den Staub und bringst das Fell zum Glänzen. Halte sie in der Hand, die näher am Kopf des Pferdes ist, und den Striegel in der Hand näher am Schweif. So hast du mehr Reichweite, und wenn das Pferd den Kopf herumdreht, zum Beispiel um Fliegen zu vertreiben, trifft es die weiche Bürste und nicht den Striegel.
Führe die Bürste in langen, gezogenen Strichen. Viele machen zwei Striche gegen die Wuchsrichtung, um den Staub aus der Tiefe des Fells zu holen, und einen in Wuchsrichtung, um es zu glätten. Streiche die Bürste nach ein paar Strichen am Striegel ab und klopfe den Striegel am Boden aus. Wenn du auf die andere Seite des Pferdes wechselst, tausche die Bürsten in den Händen.
Kopf
Wenn dein Pferd ruhig steht, nimm das Halfter ab und schnalle es um den Hals, damit du an den ganzen Kopf herankommst. Benutze eine weiche Bürste und ruhige Bewegungen, besonders an den Augen. Stell dich immer seitlich neben das Pferd. Wenn du direkt vor dem Kopf stehst, kann das Pferd den Kopf plötzlich hochreißen und dich am Kinn oder im Gesicht treffen.
Der Kopf ist der beste Moment für einen kurzen Check:
- Ohren. Sind auf der Haut Krusten, kleine Wunden oder andere Veränderungen?
- Augen. Tränen sie, sind sie gerötet, geschwollen oder trüb? Eine Hornhautverletzung schmerzt: Das Pferd kneift die Lider fest zusammen, und das Auge tränt. Das Merck Veterinary Manual betont, dass jede Sorge um ein Pferdeauge eine schnelle tierärztliche Untersuchung erfordert[20].
- Nüstern. Dicker, weißer, gelber oder grüner Ausfluss ist ein Grund, die Tierarztpraxis anzurufen. Dicker, eitriger Ausfluss kann zum Beispiel bei Druse auftreten, bei der das Pferd oft auch Fieber und vergrößerte Lymphknoten unter dem Unterkiefer hat[9].
- Maulwinkel. Gibt es Scheuerstellen, kleine Wunden oder Warzen?
- Maulgeruch. Unangenehmen Geruch aus dem Maul nennt das Merck Veterinary Manual als eines der Anzeichen für Zahnprobleme, neben Futter, das aus dem Maul fällt, und Widerwillen gegen das Gebiss. Die Zähne sollten mindestens einmal im Jahr tierärztlich kontrolliert werden, bei älteren Pferden häufiger[1].
von 206 Pferden privater Besitzer aus Masowien hatten mindestens ein Zahnproblem. An den Backenzähnen waren das am häufigsten scharfe Schmelzkanten und Karies[21].Górski et al., Animals, 2022
Wische die Augenpartie mit einem Tuch ab, das du mit Kochsalzlösung angefeuchtet hast. Für die Nüstern sowie für den After- und Genitalbereich nimm jeweils eigene, feuchte Tücher. Feuchttücher für Babys sind praktisch, enthalten aber Zusätze, die die Haut reizen können.
Mähne und Schweif
Mähnen- und Schweifsprays erleichtern das Entwirren, verleihen dem Langhaar Glanz und sorgen dafür, dass es weniger verfilzt. Bevor du dein Pferd einsprühst, prüfe aber, wie es auf das Zischen des Sprays und die Berührung des Mittels reagiert. Wenn es Angst hat, trage das Mittel auf die Bürste auf und gewöhne es schrittweise an das Spray selbst. In einer Studie zu drei Gewöhnungsmethoden bewährte sich die schrittweise Steigerung des Reizes am besten: Die Pferde flüchteten seltener und brauchten weniger Einheiten[22].
Mähne und Schopf bürstest du vom Haaransatz aus, massierst dabei die Haut und prüfst, ob Schuppen oder Krusten darauf sind.
Der Schweif braucht mehr Geduld, weil die Haare lang sind. Mähnenhaar wächst im Durchschnitt etwa 2,5 cm pro Monat[23]. Bei diesem Tempo braucht eine Strähne von einem halben Meter etwa 20 Monate, jedes ausgerissene Haar wächst also sehr lange nach.
- Am schonendsten mit den Fingern. Teile den Schweif Strähne für Strähne. Das dauert, reißt aber keine Haare aus.
- Mit der Bürste von unten. Dreh die Haare unterhalb der Schweifrübe zusammen und halte sie in der Hand fest. Entwirre zuerst nur die Spitzen, lass dann etwas weiter oben los und entwirre den nächsten Abschnitt. So arbeitest du dich bis zur Schweifrübe hoch.
- Zum Schluss die Schweifrübe. Bürste sie gründlich und sieh dir die Haut an: Schuppen, kleine Wunden, Krusten, abgescheuertes Fell.
Ein abgescheuerter Schweif ist ein Signal und kein Grund, „sicherheitshalber“ zu entwurmen. Eine der Ursachen sind Pfriemenschwänze. Ihre Eier finden sich rund um den After, die Pferde haben Juckreiz und scheuern sich, und die Eier lassen sich unter dem Mikroskop auf einem Klebestreifen nachweisen, den man an dieser Stelle aufdrückt. In Deutschland und Frankreich wurden Pferde beschrieben, bei denen Ivermectin und in Deutschland auch Moxidectin die Pfriemenschwänze nicht beseitigte. In einer französischen Ponyherde wirkten dagegen Fenbendazol und Pyrantel[24, 25].
Eine zweite häufige Ursache ist das Sommerekzem, also eine Allergie gegen Insektenstiche, meist von Gnitzen. Es ist die häufigste juckende Hauterkrankung bei Pferden und betrifft in manchen Regionen der Welt bis zu 60% der Pferde. Die Veränderungen treten meist an der Mähne, am Widerrist und am Schweif auf[26]. Kläre die Ursache und ein mögliches Medikament deshalb mit der Tierarztpraxis ab.
Hufe
„Ohne Huf kein Pferd“, diesen Satz kennt wohl jeder Pferdemensch. Das Merck Veterinary Manual bezeichnet das tägliche Auskratzen der Hufe als unverzichtbar und empfiehlt eine Hufbearbeitung durch den Hufschmied etwa alle 6 Wochen[1]. Kratze die Hufe vor und nach dem Reiten aus, besonders nach einem Ausritt ins Gelände.
- Links vorneStell dich neben das Pferd, mit dem Gesicht zur Hinterhand, lehne dich leicht an, fahr mit der Hand am Bein hinunter und heb den Huf an. Um das linke Bein anzuheben, muss das Pferd sein Gewicht auf das rechte verlagern, und dein leichtes Anlehnen hilft ihm dabei[1].
- Links hintenKündige dem Pferd an, dass du zur Hinterhand gehst: Streiche mit der Hand über Rücken und Kruppe bis hinunter zum Huf. Leg den Hinterhuf auf deinem Oberschenkel ab und tritt leicht zurück, um das Bein des Pferdes nach hinten zu strecken. Das ist stabiler für das Pferd und sicherer für dich[1].
- Rechts hinten und rechts vorneGenauso, auf der anderen Seite.
Achte darauf, wo deine Füße stehen: Wenn das Pferd das Bein abstellt, darf der Huf nicht auf deinem Schuh landen. Reinige den Bereich um den Strahl und die Furchen daneben gründlich von Erde, Mist, Steinen und Zapfen. Prüfe, ob sich etwas in die Sohle oder in die weiße Linie gebohrt hat. Einen Nagel oder einen anderen Fremdkörper, der in der Sohle steckt, ziehst du nicht heraus, sondern rufst die Tierarztpraxis an.
Der Strahl verrät am meisten. Strahlfäule zeigt sich durch weiches Horn, unangenehmen Geruch und dicken, schwarzen Ausfluss. Das Pferd kann schmerzhaft reagieren, wenn du beim Auskratzen auf den Strahl drückst. Die Erkrankung beginnt meist in der mittleren Strahlfurche, Feuchtigkeit und wenig Bewegung begünstigen sie, sie kommt aber auch bei gut versorgten Pferden in sauberen, trockenen Ställen vor. Die Behandlung beginnt mit dem Entfernen des kranken Horns, und viele Mittel wirken ätzend und können tiefere Gewebe schädigen[27]. Bevor du also zu einem Mittel greifst, lass den Strahl vom Hufschmied oder tierärztlich begutachten.
Nach dem Training
Kratze nach dem Reiten die Hufe noch einmal aus und sieh dir die Stellen an, an denen Sattel und Gurt lagen. Dabei spürst du jede neue Scheuerstelle oder warme Stelle.
so viel wurde während des Galopps im Inneren der oberflächlichen Beugesehne gemessen[28].Wilson und Goodship, Journal of Biomechanics, 1994
Sehnen erwärmen sich von innen. Deshalb kühlen viele nach intensiver Arbeit die Beine ihres Pferdes. In einer Studie aus dem Jahr 2025 an sechs sedierten Pferden senkte eine Stunde mit einer Eisgamasche die Temperatur im Inneren der Beugesehnen um etwa 7 °C, ein Kühlgerät mit Kompression um etwa 10 °C. Eine danach angelegte Bandage erhöhte die Sehnentemperatur um etwa 4 °C, auch wenn sie im Normalbereich blieb[29]. Wie stark einfaches Abspritzen mit dem Schlauch kühlt, hat diese Studie nicht gemessen.
Fang beim Waschen der Beine an den Hufen an und arbeite dich nach oben. So hat das Pferd Zeit, sich an das Wasser und seine Temperatur zu gewöhnen. Trockne nach dem Waschen die Fesseln gründlich ab. Lang anhaltende Feuchtigkeit gilt als einer der Faktoren, die Mauke begünstigen[30].
Kühle bei Hitze das ganze Pferd. Abspritzen mit kaltem Wasser ist eine der wirksamsten Methoden, die Temperatur eines überhitzten Pferdes zu senken. Eine Übersichtsarbeit zu Hitzestress zitiert eine Studie, in der reines Abspritzen mit kaltem Wasser besser kühlte als Abspritzen, bei dem das Wasser jedes Mal aus dem Fell abgezogen wurde[31].
Ein Strohwisch ist eine alte Methode aus der Kavallerie. Stroh nimmt Feuchtigkeit gut auf, wenn du dein Pferd damit abreibst, trocknest du es also und massierst es zugleich, besonders dort, wo Sattel und Gurt lagen. Ein gut abgeriebenes Pferd hat nach dem Trocknen auch keine verklebten Schweißstellen.
Zum Schluss das Wälzen. Pferde wälzen sich oft nach intensiver Arbeit und nach dem Waschen, unabhängig vom Wetter. Die Autoren einer Studie an Pferden und Maultieren halten das Wälzen für ein wichtiges Verhalten, für das ein Pferd Platz und Zeit haben sollte[32]. Wie ein Stallsprichwort sagt: Ein schmutziges Pferd ist ein glückliches Pferd. Beunruhigend ist erst Wälzen von einer Seite auf die andere zusammen mit Scharren, Umschauen zum Bauch, häufigem Hinlegen, Schwitzen und Appetitlosigkeit, denn das sind Anzeichen einer Kolik[33].
Wann tierärztliche Hilfe nötig ist
- das Pferd kneift ein Auge stark zusammen oder hält es geschlossen, das Auge tränt, ist gerötet, geschwollen oder trüb,
- aus den Nüstern fließt dicker, weißer, gelber oder grüner Ausfluss, vor allem wenn das Pferd Fieber hat,
- in der Sohle steckt ein Nagel oder ein anderer Fremdkörper,
- der Strahl ist weich, riecht übel und schmerzt beim Auskratzen, oder das Pferd lahmt,
- auf der Haut erscheinen kahle Stellen und Krusten, vor allem unter Sattel und Gurt,
- das Pferd scheuert sich Schweif oder Mähne blutig,
- das Pferd wälzt sich immer wieder, scharrt, schaut sich zum Bauch um oder schwitzt ohne Anstrengung.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man ein Pferd putzen?
Täglich. Das Merck Veterinary Manual empfiehlt tägliches Bürsten und tägliches Auskratzen der Hufe[1]. Putze vor jedem Reiten die Stellen unter Sattel, Gurt und Trense gründlich und kratze die Hufe vor und nach dem Reiten aus.
Von welcher Seite putzt man ein Pferd?
Traditionell beginnt man links, aber putze dein Pferd von beiden Seiten. Unerfahrene Pferde reagierten schlechter, wenn sich der Mensch von links näherte, während Pferde, mit denen von beiden Seiten gearbeitet wurde, auf beiden Seiten gleich gut reagierten[14].
Muss man ein Pferd mit Shampoo waschen?
Nur ab und zu, wenn es nötig ist. Für Haut und Fell ist regelmäßiges Bürsten wichtiger[1]. Teste jedes neue Mittel zuerst an einer kleinen Hautstelle, weil es die Haut reizen oder eine Allergie auslösen kann[10].
Sollte jedes Pferd eigene Bürsten haben?
Ja. Über Bürsten und Ausrüstung wird Hautpilz übertragen[8], und über gemeinsame Eimer, Ausrüstung und die Kleidung von Menschen auch Druse[9].
Warum scheuert sich ein Pferd den Schweif?
Meist wegen Juckreiz. Ursache können Pfriemenschwänze sein, deren Eier man mit einem rund um den After aufgedrückten Klebestreifen nachweist[24], oder das Sommerekzem, also eine Allergie gegen Insektenstiche[26]. Kläre Ursache und Medikament mit der Tierarztpraxis ab.
Wissenschaftliche Quellen
Jede Publikation haben wir in den Datenbanken Crossref und PubMed überprüft. Die Nummern im Text führen zur Liste, die DOI-Links zu den Originalartikeln.
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